Bienenzüchterverein Bezirk Winterthur

Editorial - Vom "Bienensterben" zur "Bienendichte" und zurück

Medien berichten seit Jahren vom Bienensterben. Gleichzeitig gehen immer mehr Schweizer Imker von einer zu hohen Bienendichte und einer "Imkerschwemme" aus.
Häufig wird hier mit unbelegten Behauptungen operiert. Es ist Zeit, anhand von Fakten zu untersuchen: Was stimmt wirklich?

Bild: Pixabay

Medien berichten spätestens seit "More Than Honey", dem aufrüttelnden Kinofilm des Filmemachers Markus Imhoof, immer wieder von einem massenhaften Bienensterben. Über einige dieser Medienbeiträge habe ich in unserer Kategorie "Neuigkeiten" berichtet.
 
Diese Katastrophenmeldungen registrieren manche Imker dankbar als öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Hobby. Welcher Kollege kennt das nicht: Offenbart man jemandem, Bienenzüchter zu sein, ist das Bienensterben sofort Gesprächsthema Nummer Eins.
Dieser Alarmismus stösst aber bei mehr und mehr Kollegen auf wachsendes Unverständnis. Immer wieder muss man dann in solchen Gesprächen relativieren und erklären: Ja, Bienen seien heute sicher einer Vielzahl gefährdender Faktoren ausgesetzt, aber der Begriff "Bienensterben" im Sinne einer endgültigen Ausrottungsgefahr sei momentan klar überzogen.
 
Ganz so einfach scheint der Fall aber nicht zu liegen, denn zu dieser Fragestellung schwirren eine Menge widersprüchlicher Informationen, von Befürchtungen gespeiste Vermutungen und wilde Spekulationen durch die Schlagzeilen. Objektivierung tut also not. Ich möchte mich einmal - mit einigem Aufwand zugegebenermassen - an der Fragestellung entlang hangeln: Welche Behauptungen lassen sich durch tatsächlich vorhandene Informationen wirklich stützen?
Ich werde darüber in zwei Teilen berichten. Im ersten Teil soll es zunächst um die Frage gehen: Welche Aussagen und Argumente zum Thema gibt es? Da ich nicht alle Aussagen auswerten kann, versuche ich anhand einiger Beispiele die Argumente gegenüber zu stellen.
 

Bienenmangel?

2014 hat die englische Universität Reading eine Studie publiziert, die mit dem Befund "dramatischer Bienenmangel" breite öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat.
Die Briten haben im Auftrag der EU in 41 europäischen Ländern die Entwicklung des Bienenbestands und des Bestäubungsbedarfs verglichen und daraufhin eine Katastrophe prophezeit. Und zwar nicht, weil die Zahl der Bienenvölker zurückgegangen, sondern weil sie zwischen 2005 und 2010 im europäischen Durchschnitt nur ungefähr um Sieben Prozent gewachsen sei.
Der Bedarf an Bestäubung sei im gleichen Zeitraum aber um 38 Prozent gestiegen  - durch den verstärkten Anbau von Massentrachten an Raps, Sonnenblumen und Soja (überwiegend zur Produktion von Biotreibstoffen). Über den Sinn einer Agrarpolitik, die dieses Tun fördert, möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Aber die zu erwartende Katastrophe besteht laut den Forschern darin, dass durch diesen Bienenmangel die Bestäubung von Kulturpflanzen nicht mehr gewährleistet sei, da gleichzeitig auch die Bestände der wild lebenden Bestäuber stark zurückgehen.


In der Schweiz soll laut dieser Untersuchung der Bestand an Honigbienen-Völkern in diesem Zeitraum sogar stark gesunken sein, von 317'00 Völkern auf 169'000 Völker. Die Forscher beziehen sich hier auf Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BfS), die sicher nicht vollständig sind, aber immerhin einen Entwicklungsttrend zeigen können.

Können wir also von einem Bienenmangel in der Schweiz ausgehen?
 

Bienendichte?

Ganz im Gegenteil, hat André Wermelinger, der "Bienenrebell" von "Free-the-bees" in einem Leserbrief an die Schweizerische Bienenzeitung als Antwort auf das Editorial (SBZ 09/2013) zu Protokoll gegeben:
In Wirklichkeit hätten wir in der Schweiz eine unnatürliche "Bienendichte" erzeugt, die aber von der Imkerschaft aktiv verdrängt und dem Zentrum für Bienenforschung zwar bekannt sei, aber verschwiegen würde.
Die in der Schweiz bestehende Bienendichte sei ein „Tabuthema". 
Wermelinger tut nichts, um seine Behauptung zu belegen.

Obwohl Wermelinger nicht ganz unumstritten ist, scheint ein Teil der Imkerschaft seine Behauptung aufzunehmen: Meine Beobachtungen deuten auf eine entstehende Abwehrhaltung der etablierten Imker gegenüber zusätzlichen Neuimkern hin.
Sicher, die Grundausbildungen für Imker waren auch aufgrund des grossen öffentlichen Interesses in Folge des Imhoof-Films jahrelang ausgebucht und haben manchen Verein an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gebracht. Und am Ende hat jeweils nur ein Teil der frisch Ausgebildeten dann auch tatsächlich Bienen gehalten.
Interessenten werden heute deutlich zurückhaltender in Grundkurse vermittelt. Zunächst wird vielerorts geprüft, ob es nicht auch ein kurzer Schnupperkurs tut, um die Neugier zu befriedigen.
Manche Vereine in Deutschland stellen ein Bienenvolk zur Verfügung, das in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Imker als Mentor betreut werden muss, um die Motivation der Interessenten zu prüfen.

Imkerschwemme?

Doch die bis vor einiger Zeit noch subtile Erhöhung der Einstiegshürden für Neuimker schlägt seit ein paar Jahren mancherorts in offenes Abwiegeln um. So gab es in den letzten Jahren immer wieder Aussagen von Imkern, die eine zu hohe Imker- und damit Bienendichte reklamierten.
Marcel Strub, Leiter der Fachstelle Bienen, vertritt in der Basler Zeitung die auch in anderen Themengebieten beliebte These vom Dichtestress: "Manche halten die Grenze für überschritten..." 
Der kantonale Bieneninspektor Hanspeter Schwaiger wird zitiert mit dem Satz, es sei Zurzeit "ungünstig, ins Honiggewerbe einzusteigen. Das Maximum an Imkern ist erreicht, zusätzliche Bienenstöcke sind kontraproduktiv."

Bei derart sich wiedersprechenden Aussagen muss man davon ausgehen, dass objektive Zahlen in dieser Diskussion keine grosse Rolle spielen. Es entsteht der Eindruck, dass vielmehr mit Vermutungen und Behauptungen operiert wird, und diese Verwirrung wirft die Frage auf: Was stimmt denn nun wirklich?
Dieser Frage möchte ich im zweiten Teil dieses Artikels nachgehen.

Andreas Brellochs, Vorstand BZVW

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Honig ist ein hochwertiges, naturbelassenes Lebensmittel, dessen Qualität ständiger Bemühungen des Imkers bedarf. Die Vereine bieten zur Unterstützung der Imker die Honigkontrolle an. Apisuisse organisiert die Überwachung und Zertifizierung der Honigqualität.

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Jedes Jahr von Mitte März bis Mitte Juli findet die natürliche Vermehrung der Bienenvölker durch "Schwärmen" statt. Dabei zieht ein Teil eines Bienenvolkes aus und sucht sich ein neues Zuhause. Warum werden diese Schwärme eingefangen und was können Sie tun?

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